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Wenn man angetrunken einen Text schreibt


Ist es ein Verbrechen, wenn man nach einer anstrengenden Woche ein oder drei Gläser Wein trinkt? Ich glaube ich nicht. Irgendwie ist es tragisch, aber andererseits fühlt es sich gut an. Ich bin leicht angetrunken im Bett - alleine. Alles, was mich aktuell begleitet ist die Musik. Ich bin emotional, ich bin ehrlich, ich habe keine Hemmungen zu sagen, was ich fühle (Ehrlichkeit ist auch sonst durchaus ein Faktor, dem ich treu bleibe). Nunja, ich möchte zum Punkt kommen:

Ich bin verknallt, ich bin verwirrt und ich habe Hoffnung. Der Fakt, dass man in Sekundenschnelle eine Sympathie und Euphorie für einen Menschen empfinden kann, hilft mir sehr. Ich bin fasziniert, neugierig, meine Gedanken drehen sich im Kreis. Ich bin nicht unbedingt in die Person verliebt, vielmehr in den Gedanken, dass es Liebe auf den ersten Blick überhaupt gibt. Diese Gefühle bestätigen meine Gedanken und Hoffnungen, widerlegen meine Ängste - dass es sowas wie den 'Funken' gar nicht gibt. Es gibt den Funken und er verfolgt mich bis in meine Träume. Alles andere wirkt plötzlich unwichtig und das Wichtigste steht plötzlich im Vordergrund: Jemanden zu finden, mit dem es knistert. Was mich zum Thema bringt: Warum sind wir eigentlich hier und was ist meine Aufgabe? Das klingt vielleicht doof, wenn ich direkt die Antwort weiß - aber ich möchte einfach nur glücklich sein. Reichtum, Erfolg und Materialismus spielen sehr begrenzt eine Rolle. Ich könnte ewig als Student weiterleben, Urlaube und ab und an einen Kenzo Pullover kaufen. Ich bin im Einklang mit mir selbst und meinem Leben - zufrieden mit meinem Alltag und dem, was ich mir gönne. Würde ich morgen sterben, dann wäre ich durchaus glücklich und würde nichts bereuen. Die innere Zufriedenheit ist das, was man anstreben sollte. Es sind Erwartungen von anderen, die man ausblenden muss. Man muss es niemandem beweisen - außer sich selbst. Ich bin der Mittelpunkt in meinem Leben, daher muss ich nur mir alleine beweisen, dass ich stark genug bin, meinen Weg alleine zu gehen. Es geht um die eigenen Regeln und Strukturen, die ich meinem Leben gebe - ohne jegliche Toleranz für äußere Einflüsse.

Mir ist bewusst, dass das Leben aus Hoch und Tiefpunkten besteht, aber ich nehme Tiefpunkte immer positiver war. Mit jedem Tiefpunkt kann ich die schönen Momente mehr schätzen. Wenn man aus den negativen Zeiten Schlüsse zieht und nach vorne schaut, kann man durchaus eine innere Zufriedenheit entwickeln. Ich schätze jede Emotion: ob Trauer, Freude oder Frust. Jedes Gefühl hat seinen Platz in mir, seine Berechtigung in meiner Geschichte. Ich bin so, wie ich bin, weil ich mein eigenes Leben lebe und nicht das von jemand anders.

Genauso sind es die 'schlimmen Dinge' im Leben, die einen verstört haben und kaputt gemacht haben - so ein Quatsch. Es waren durchaus negative Momente, aber mit genug Selbstreflektion kann man jeden negativen Moment in einen positiven verwandeln. Ich bin mir selbst treu, ich entscheide mit dem Herzen, ich überdenke meine Entscheidungen gründlich und ich respektiere andere Menschen, die ein komplett gegensätzliches Leben gelebt haben. Mittlerweile bin ich sogar soweit, dass ich in Fällen von Lästereien die Seite des Opfers einnehme und argumentiere: Person X kann nichts dafür, dass das Leben, die Eltern und das Umfeld sie zu dieser Person gemacht haben. Natürlich gehört der nötige Mut zur Selbstreflektion dazu, dass man ein guter Mensch wird - diesen besitzt tragischer Weise kaum jemand. Die 'schlimmen Dinge' können durchaus die sein, die mich auf den richtigen Weg gebracht gaben, wenn man sich nur offen damit auseinandersetzt.

Was ich im Endeffekt sagen will: Ich bin zufrieden mit meinem aktuell konfusen Gefühlsstand: Ich habe jemanden verloren, der mir sehr wichtig war - ich habe jemanden kennengelernt, der meine Gefühle auf den Kopf stellt und mir Hoffnung gibt - ich habe erstmals Leute kennengelernt, ohne mich zu verstellen - ich bin in einem neuen Lebensabschnitt nach dem Studium und fühle mich genau wie nach dem Abitur - verloren, aber akzeptiere genau diese Emotion. Chaos ist okay, Chaos ist gut.

Viele Emotionen, die zusammenfließen und einen in unterschiedliche Richtungen ziehen fordern mich heraus und erinnern mich daran, dass jede Entscheidung im Leben wichtig ist und mit dem Herzen getroffen werden sollten. Jedes Chaos gibt einem die Chance neu anzufangen und seinen eigenen Weg zu gehen. Chaos bedeutet Möglichkeit und Veränderung, wenn man zu sich selbst steht und mutig ist.

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