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Mein neues Ich: Tattoos, Glatze und Fitnessfreak?



Vorsätze sind mir relativ egal, viel wichtiger ist mir eine rückblickende Schlussfolgerung über das vergangene Jahr. Beschäftigt haben mich dieses Jahr viele sehr unterschiedliche Themen, sei es ein Beziehungsende nach einigen Jahren, eine neue Beziehung, das Verhältnis zu meinen Eltern, die Zufriedenheit mit mir selbst oder der Blick in eine immer schneller nahende neue Zukunft.

Ich möchte mit dem Thema Beziehung anfangen und hierbei versuchen, möglichst nicht zu sehr ins Detail zu gehen. Liebe ist in jedem Leben von großer Wichtigkeit, weshalb es mir nicht ausbleiben soll, darüber zu schreiben. Natürlich ist es ein sehr privates Thema, aber ich denke, man kann es durchaus neutral beleuchten. In manchen Beziehungen wird man zum Gewohnheitstier, das ist allgemein bekannt. So wirklich glücklich ist man dann nicht mehr miteinander, aber beenden will man es auch nicht. Es wird versucht viel zu unternehmen, die Beziehung bunt zu gestalten, um dem entgegenzuwirken - aber das Zwischenmenschliche bleibt aus. Was bringt es, zu verreisen oder Tagesausflüge mit dem Rad zu machen, wenn man sich nicht zusammen kaputtlachen kann. Meine letzte Beziehung war eine tolle Beziehung, ich denke wir sind beide als Mensch gewachsen und haben voneinander sehr viel gelernt. Im gewissen Sinne konnte ich mir vorstellen, irgendwann zu heiraten und für immer zusammen zu sein - den weniger perfekten Umständen mit eingerechnet. Aber am Ende war es eine Frage, die mir letztenendes doch sehr nahe ging: Was ist mir wichtig in einer Beziehung? Diese Frage mag banal klingen, aber war essentiell bei meiner Entscheidung, wie es weitergehen soll. Die genauso banale Antwort: Glücklich sein, brachte mich dazu, alles zu überdenken. Wie kann man so eine wichtige Voraussetzung in Beziehung aus den Augen verlieren? Ich war natürlich nicht unglücklich, aber Ihr wisst schon, manchmal ist es kompliziert. Was ich mit dem Ende der Beziehung gelernt habe: Oftmals sind zwei Menschen für eine Freundschaft gemacht und nicht für eine Beziehung - der Wunsch nach Zweisamkeit und die erste Illusion von Perfektion verdreht einem oftmals den Kopf.

Genauso möchte ich das Thema des Singleseins und einer neuen Beziehung ansprechen. Nach einer Trennung brauche ich immer etwas Zeit, um klar zu kommen. Oftmals artet das in vielfaches Dating und eine Wiedereingliederung in die Szene aus. Einen solchen Tiefpunkt habe ich vor einigen Jahren in Frankfurt erreicht und es war nur der Anfang des Studiums, der mich dort herausholen konnte. Ich hätte mich sonst garantiert darin verloren, was so vielen anderen leider passiert. Aber gut, wieder zu diesem Jahr: Ich hatte 2-3 Dates, die sehr nett waren und habe dann relativ schnell eine Person gefunden, die mich zum Lachen bringen konnte, wenn auch unfreiwillig. Ich möchte nicht näher auf meine aktuelle Beziehung eingehen, sondern eher auf die Konsequenzen, die es mit sich bringt, wenn man von einer Beziehung in die nächste stürzt. Ich hatte in meiner kurzen Singlezeit einige Gespräche mit einem neugewonnen Freund, der sich in der gleichen Situation befand. Er warnte mich zurecht, dass es große Nachteile hat, wenn man sich schnell wieder bindet. Aller Anfang war demnach nicht leicht für mich, da ich auf der ständigen Suche nach Bestätigung war. Ich war sehr unsicher - wusste gar nicht, wo ich mich sehe, fühlte mich regelrecht wie ein 16-jähriger, der nicht weiß wohin er im Leben will. Ein so schneller Wandel kann einen aus der Bahn werfen. Nur Zeit und Geduld meines Freundes haben mich wieder zu mir selbst gebracht. Letztenendes bin ich glücklich, dass all das so verlaufen ist, denn ich schaue sehr zufrieden und dennoch mit kritischem Blick auf 2017 zurück.

Das Thema Freundschaft möchte ich ebenso ansprechen. Mittlerweile habe ich circa acht sehr gute Freundinnen, darunter drei aus der Schulzeit und vier aus dem Studium, Freunde mit denen man richtig viel Müll redet, bei denen man sich aber genauso ausheulen kann. Dieses Jahr haben sich neue Freundschaften entwickelt, erstmals mit Heteromännern. Das klingt richtig komisch, aber bisher kam mir das nicht in den Sinn und ich kenne auch wenige, bei denen das so wirklich innig nicht möglich ist. Ich hatte das Glück, ein paar Leute kennenzulernen, die offen sind und sich nicht gleich von meiner Sexualität eingeengt fühlen. Die auch beim Thema Sexualität nicht zurückschrecken und keine Angst haben (wie sehr viele Heteros aus meiner Vergangenheit auf dem Dorf). Für viele mag das nicht besonders klingen -  für mich ist es jedoch ein sehr großer Schritt in die richtige Richtung. Natürlich fand ich es in der Schulzeit doof, dass ich mich grundlos nicht mit den Jungs verstehen durfte, weil es gegen die Norm sprach. Das klingt kitschig, aber trifft wohl voll zu: Es ist ein kleiner Schritt für die Menschheit und ein großer Schritt für mich selbst.

Die Veränderung meines Selbstbildes war mir ebenso wichtig. In den letzten Jahren war ich nicht mehr glücklich mit mir selbst -zumindest meinem Äußeren. Ich fühlte mich teilweise in eine Rolle gedrängt. Gerade in der Gay Welt gibt es diese Rollen - wenn man ein Twink ist, ist man ein Twink. Ein jung aussehender Bubi, der vorzugsweise den weiblichen Part in einer Beziehung übernimmt. Ich hasse solche Normen und Regeln. Ich fühle mich weder nach Rollenverteilung, noch als Bubi. Ich bin 26 und werde ohne Bart tatsächlich noch nach meinem Ausweis gefragt. In den letzten 1-2 Jahren konnte ich endlich an Gewicht zunehmen, habe mir einen Bart wachsen lassen und kleide mich nicht mehr wie ein Paradiesvogel. Ich fühle mich wohl, selbstsicher. Endlich spiegelt mein Äußeres mein Inneres wieder. Zwischenzeitlich dachte ich, dass es nur an solchen Äußerlichkeiten liegt. Ich muss jetzt möglich schnell sehr muskulös werden und am Besten rasiere ich mir eine Glatze und tätowiere mich - ja das dachte ich wirklich ab und an. So unwohl habe ich mich gefühlt, dass ich radikal aus der Schublade ausbrechen wollte. Es mögen alles nur Oberflächlichkeiten sein, aber wir sollten und nicht vorgaukeln, dass die Welt ein sozialer Ort ist, an dem nur innere Werte zählen. Am Ende waren es sicherlich nicht nur diese kleine Veränderungen, die mir mehr Selbstsicherheit gegeben haben, viel mehr der Mut zur Veränderung, ob in Sachen Beziehungen oder mir selbst gegenüber.

Zuletzt möchte ich das Thema Familie ansprechen. Ich liebe meine Familie, aber habe das Gefühl, dass man sich immer mehr auseinander entwickelt, wenn man älter wird. Man hat sein eigenes Leben aufgebaut und es haben sich unabhängig einige Normen und Ansichten auf das Leben entwickelt. Es sind Kleinigkeiten, an denen ich mich störe, die meinen Eltern nicht mal auffallen. Es fühlt sich an, wie eine Welt, mit der ich abgeschlossen habe, die sich aber niemals weiterentwickelt. Ich komme immer wieder gerne zurück, aber lange halte ich es nicht aus. Es geht lustiger Weise sehr vielen so, die ich kenne. Es ist wohl normal und wenn man es neutral betrachtet, ist es auch völlig okay. Man wurde erzogen, um selbstständig zu sein und sich sein eigenes Leben aufzubauen. Ich lege Wert auf ganz andere Dinge, z.B. dass man nicht ständig alles negativ redet. Dann kommt man an einen Ort der anderen Werte und sitzt nur genervt am Tisch, weil man seine positive, weltoffene Welt vermisst - in der man nicht ständig anmerken muss, welche Musik und welches Essen man blöd findet.
Mein Fazit dazu ist, dass es immer wieder schön ist, die Familie zu sehen. Aber man sollte sich immer wieder zurückrufen, dass es mittlerweile ein eigenes Leben gibt, was man nach den eigenen Vorstellungen gestalten kann. So versuche ich 2018 nicht ganz so kritisch mit meiner Herkunft zu sein und mich innerlich in Zukunft lieber auf meine Welt zurückbeziehe.

Ich wünsche allen einen guten Rutsch und einen tollen Start ins neue Jahr,
bei mir steht noch einen Monat Diplomstress an und dann Ende Februar gönne ich mir erstmal eine Reise, bevor der Ernst des Lebens losgeht.

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