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Ich habe nichts gegen Schwule, solange sie mich nicht anfassen.


Kindheit und Jugend waren nicht unbedingt einfach, heutzutage werfen mich dagegen selten intolerante Menschen aus der Bahn - aber leider immer noch zu oft. Im letzten Jahr ist es mir zwei Mal passiert, dass ich Homophobie und Intoleranz im großen Maße miterleben musste. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir nicht Nahe ging. Es sind im Grunde genommen doch Narben, die solche Momente hinterlassen. Wieso werde ich für etwas nicht toleriert, was zu mir gehört ? Es ist so einfach und doch so schwer für die meisten Menschen. Wie kann es sich jemand erlauben, über andere zu urteilen - andere zu verurteilen?

Die Thematiken, mit denen ich mich damals auseinandersetzen musste, stoßen mir immer wieder vor den Kopf: Die selben Sprüche und Reaktionen. Ich habe keine Geduld mehr dafür, mich zu verteidigen und jemandem die Welt zu erklären. Es ist anstrengend, immer wieder von vorne zu beginnen und zu versuchen die Erziehung beim Thema Toleranz zu übernehmen.

Letztens war ich in einer Kneipe in Darmstadt und nach den üblichen Sprüchen:“ Warum bist du mit drei Mädchen hier und hast noch keine abgeschleppt!?“ - das Outing. Eigentlich hätte ich es nicht sagen müssen, aber manche Leute warten förmlich darauf. Und dann folgte der Standardspruch, der mir alles über die Person gesagt hat: „ Ich habe nichts gegen Schwule.. solange du mich nicht anfasst.“

Ich war wütend, soviel Dummheit und Einbildung an meinem Samstagabend anzutreffen. „Findest du dich so geil, dass du denkst jeder steht auf dich?“ Natürlich war jegliche Diskussion sinnlos, ich hätte mich nicht darauf einlassen sollen. Aber diese Momente bleiben hängen und daran kann ich nichts ändern. Gehirn, bitte lösche diese Momente mit dem Primaten, der keinen Horizont hat.

Das Thema Sexualität sollte niemanden interessieren, außer man ist an einer Person sexuell interessiert. Es ist einfach so anstrengend und ermüdend, als ob man das gleiche langweilige Buch immer wieder lesen müsste. Und man muss jede Zeile lesen, nichts darf einfach überflogen werden.

Wieso ist es jedem so wichtig, andere möglichst schnell In Schubladen zu stecken? „Bei mir war ein Homo in der Klasse, der hat jeden Typen immer zweideutig angemacht“ war ein Argument von ihm. Natürlich sind dann alle Homosexuellen genau so wie dieser eine. Ist ja immer so: kennt man eine brünette Frau, dann kennt man alle. Genau wie alle Hunde gleich sind und alle Männer mit hochgestylten Haaren. Wie klein kann der Horizont eines Menschen sein, dass er von einen auf alle schließt? Das ist nicht nur traurig, sondern vielmehr verstörend.

Ich würde mich gerne nicht aufregen, aber die Sinnlosigkeit mancher Aussagen ist zutiefst frustrierend. Solche Momente schwächen mich Gott sei dank nicht mehr - aber ich weiß, sie können andere schwächen. Solche Kommentare sollten zukünftigen Generationen erspart bleiben, da es an Unnötigkeit kaum zu übertreffen ist.

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