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Praktikum des Grauens?



Was erwartet man von einem Praktikum? Optimistisch gesehen erhofft man sich, dass die Firma das eigene Potential erkennt und fördert. Pessimistisch gesehen wird man für anspruchslose Aufgaben ausgenutzt. Beides ist mir passiert.

Im Praxissemester für mein Studium arbeitete ich für zwei namenhafte Modefirmen im Kreativteam (Fotostudio, Art Direction, Text, Bildbearbeitung). Die größere der beiden Firmen bestand aus einem sehr jungen Team. Einen Einblick hinter die Kulissen einer solchen Marke zu erhaschen war stets interessant. Leider waren meine Aufgabenfelder mehr als uninteressant. Abknoten von Etiketten, bügeln, Bilder umbenennen - gibt es etwas Unkreativeres?  Leider musste jemand diese Arbeiten machen, logisch waren das die Praktikanten. Generell hätte ich das Praktikum in einer Woche zusammenfassen können, viele Highlights gab es leider nicht. Die Mitarbeiter waren sehr freundlich und interessante Charaktere, aber an kreativer Herausforderung hat es zu hundert Prozent gemangelt.
Somit habe ich die Zeit relativ schnell von 5 auf 3 Monate verkürzt und bin dann zu einer weiteren Modemarke gewechselt. Ich frage mich, warum ich für das Praktikum ausgewählt wurde, da ich schon fast am Ende meines Studiums stehe und mich mit meinen Arbeiten vorgestellt hatte. Auf Praktikanten wurde leider nicht persönlich eingegangen, das hat mich von Zeit zu Zeit sehr frustriert. Ich erwarte nicht, dass ich kreative Aufgaben von großer Wichtigkeit bewältigen muss - aber etwas interessantere, anspruchsvollere Aufgaben kann man mir und jedem anderen Praktikanten durchaus zutrauen.

Praktikum 2  erwies sich als das komplette Gegenteil. Die langweiligste Arbeit war das Bearbeiten von Bildern (anspuchsvoller als alle Aufgaben bei Praktikum 1). Ich durfte Konzepte für Social Media erarbeiten, die direkt umgesetzt wurden, Still Life Moodboards und eine komplette Website designen. Ich durfte Teil eines jeden Meetings sein, wodurch ich die Marke noch viel besser kennenlernen konnte. Aus jedem Praktikum kann man etwas Positives schöpfen - mal mehr, mal weniger. Ich würde mir nur wünschen, dass die Unternehmen mehr auf die Praktikanten eingehen und sich mehr für deren Können interessieren, als sie direkt als billige Arbeitskraft abzustempeln.

Nicht genutztes Potential ist immer Verschwendung. Man findet immer und überall Rohdiamanten - somit sollte jeder eine Chance bekommen, sich zu beweisen.


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