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Ja, ich wurde als Kind bespuckt.


Zur Schulzeit wurde ich gemobbt, wie viele andere. Ich denke, mit dem folgenden Text können sich viele Leute identifizieren, und wenn nicht, dann regt er hoffentlich zum Nachdenken an.

Es ist leicht zu sagen, dass man gemobbt wurde, leider ist es weniger leicht Mobbing zu verstehen. Als Kind wollte ich eigentlich nur glücklich sein, Spaß haben und mich mit Dingen und Menschen beschäftigen, die mich interessierten. Leider konnte man nur begrenzt frei sein, sich begrenzt authentisch verhalten und glücklich sein. Wieso sind die Menschen schon im kindesalter bösartig und tun anderen grundlos weh? Wie soll man das als Kind verstehen? Es ist wie ein großer Schrank voller Schubladen, in dem ich leider keinen Platz gefunden habe.

Im Kindergarten hatte ich schon immer andere Interessen, als die meisten Jungs, außerdem hatte ich schon immer mehr weibliche Freunde. Wieso auch nicht? Wenn ich nicht Fußball spielen wollte, dann musste ich das natürlich nicht, oder doch? Ich habe nunmal lieber gezeichnet und Sailor Moon gespielt. Ich habe mich als Kind für den Weg entschieden, das zu tun, was ich möchte. Mit den Spielsachen zu spielen, die mich interessieren. Es ist weniger Komplex, als es klingt: Als Kind will man natürlich mit den Dingen spielen, die man toll findet. Das ist weniger Entscheidung, vielmehr der logische Weg.

Das einzig schlimme ist die Reaktion darauf, das man mit den Spielen Spaß hat, die bisher nicht mit dem jeweiligen Geschlecht in Verbindung gebracht wurden. Somit wurde man im Kindergarten schon von einer Gruppe ausgeschlossen, ohne überhaupt die Gründe zu verstehen. Wie kann es sein, dass man ausgeschlossen wird, weil man spielen will? Ich muss immer wieder betonen, dass ich damals die Welt nicht verstand. Wieso werde ich schief angeschaut? Wieso werde ich ausgeschlossen und wieso sagen die anderen Jungs gemeine Dinge zu mir? Ich tat niemandem weh, ich war ein netter, wohlerzogener Junge. Natürlich wurde ich in den Folgejahren meinen Freundinnen ähnlicher, ich bin mit ihnen älter geworden und habe mich mit ihnen entwickelt. Mein Verhalten war nie typisch männlich, was mir oft zum Verhängnis wurde. Mit 14 kam ich weinend von der Schule, weil ich im Schulbus von fremden Kindern ausgelacht und bespuckt wurde. Ab und an wurde ich auf dem Pausenhof geschlagen, nur weil ich mit meinen Freundinnen Fangen gespielt habe. Die Umkleiden vorm Sportunterricht waren die Hölle für mich, ebenso die Klassenfahrten. Da wurde ich doch allen Ernstes von meinem damaligen Klassenlehrer zum Schulpsychologen geschickt, weil ich mir mit den Jungs kein Zimmer teilen wollte. Ich finde nicht die passenden Worte für diese Zeit, da ich sehr leiden musste. Für sein Verhalten verurteilt zu werden, war mehr als verstörend und unverständlich für mich, vor Allem weil man sich selbst lange nicht gefunden hatte. Ich hatte keine Ahnung, wieso ich so behandelt wurde und keine Ahnung, wieso mein Verhalten so schlimm war. Wieso haben sich andere an meinem Verhalten gestört und mir so viel Aufmerksamkeit gegeben?

Ich träumte davon als eine andere Person aufzuwachen. In einem leichteren Leben, in dem Leben, das von einem erwartet wurde, ohne negativ aufzufallen. Man kann nicht von einem Kind verlangen, dass es mit solchen Konfrontationen umgehen kann. Große Selbstzweifel ziehen sich durch das ganze Leben, ich glaube sie werden nie ganz weggehen. Wenn man die Kindheit und Jugend lang dafür verurteilt wird, dass man so ist, wie man ist - dann ist das meiner Meinung nach eine sehr traurige und falsche Sache. Ich verstehe nicht, wieso man andere nicht so akzeptieren kann, wie sie sind. Niemals werde ich die Leute verstehen, die sich herausnehmen, andere zu kritisieren und auszuschließen, nur weil sie nicht ins eigene Schema passen.

Ich wünsche mir, dass diese Erfahrungen in der Zukunft mehr Menschen erspart bleiben. Ich wünsche niemandem diese Selbstzweifel und Verwirrungen über das menschliche Verhalten, mit denen ich mich täglich befassen musste.

Heute bin ich stolz, dass ich die Zeit gemeistert habe und mich zu der Person entwickelt habe, die ich bin. Dennoch kommen oft Unsicherheiten auf, vor Allem wenn ich in ähnliche Situationen gerate oder sie mitbekomme. Leider ist man auch heute nicht sicher vor dieser Art Menschen, was ich mittlerweile nicht mehr persönlich nehme. Es ist vielmehr traurig für mich zu sehen, wie Menschen mit so einer Denkweise durchs Leben gehen können. Ich bin bestürzt darüber, dass man Kindern schon vorgeben möchte, wie sie sich zu verhalten zu haben und was nicht ins Schema Junge/Mädchen passt.

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