In

Die Szene und ihre Komplexe



Ich war einmal ein regelmäßiger Szenegänger, was nun schon ein paar Jahre her ist. Ob in Partys, Bars oder auf Paraden, mich hat man überall finden können. Irgendwann kannte man die Gesichter, irgendwann hatte man bestenfalls Freunde gefunden, die einen ein Leben lang begleiten. Für mich war die Szene mit 16 Jahren ein guter Zufluchtsort, da man dort scheinbar so sein konnte, wie man ist. 

Ich schätze die Szene immer noch, aber kann mich sehr wenig mit den Leuten identifizieren, was an einer großen Ladung Unauthentizität liegt. Jeder möchte etwas darstellen, jeder will sportlich sein, 'heterolike' sein- bitte? Auch unter Heteros gibt es normale Jungs, Jungs die sich für Mode interessieren, Bubis. Was ist das für ein Quatschbegriff? Seit wann bestehen Heteros ausschließlich aus aufgepumpten Machos? Erstens strahlen diese Leute besondere Unzufriedenheit aus, was klar ist, wenn man zwingend in ein bestimmtes Raster passen will. Zweitens macht der Begriff 'Heterolike' einfach keinen Sinn. Heteros sind sehr vielschichtig, wie alle Menschengruppen - diese Bezeichnung ist dann wohl oder übel das, was nach jahrelangen Unsicherheiten als persönliches Ziel angestrebt wird. Das die Szene respektlos und intolerant ist, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Es bestürzt mich nur immer wieder sehr, zu sehen, dass gerade dort in Schubladen gedacht wird. Es gibt klare Kategorien und klare Ansagen, welche Kategorie mit welcher zusammenpasst und welche nicht. Es ist das Grauen. Natürlich gibt es das allgemein in der Gesellschaft, aber nicht in diesem strikten, vorgefertigten Muster. Sei es auf Apps oder im Real Life, diese ganzen Bezeichnungen sind eine große Enttäuschung für mich. Ich möchte mich nirgendwo eingliedern müssen, sondern einfach nur ich selbst sein. Authentische Menschen würden die Szene zu einem besseren Ort machen. Selbstreflektion wäre der erste Schritt. Zu denken, dass man zufrieden mit sich selbst ist, wenn man sich oberflächlichen Begriffen unterordnet, ist sicher nicht der richtige Weg.

Ich habe es geschafft, mich selbst zu finden, aber damals waren all die Schubladen sehr verwirrend und prägend für mich. Irgendwo musste man natürlich dazugehören. Traurig ist, dass ein junger Schwuler, der sich nach Gleichgesinntheit und Akzeptanz sehnt, in der Szene nur schwierig fündig werden kann. Gott sei Dank gibt es hilfreiche Jugendgruppen, bei denen diese Kategorisierungen keine Rolle spielen, aber der Grundgedanke der Szenemenschen muss dringend überdacht werden. Ich bin gespannt über den weiteren Wandel, bisher aber leider eher enttäuscht. Die Tendenz an Akzeptanz innerhalb der Szene ist leider meines Erachtens eher sinkend.

Related Articles

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen